Vogeljunge wieder unterwegs

Auf Wiesen oder auf Wegen sitzen derzeit scheinbar verlassene, noch nicht ganz flugfähige Jungvögel, die herzzerreißend rufen. Die Vogeljungen schreien jedoch nicht um Hilfe, sondern betteln um Futter und halten so Kontakt zu ihren Eltern. Sie sitzen in der Nähe des verlassenen Nestes und werden von den Vogeleltern versorgt. „Bitte die Jungvögel unbedingt an Ort und Stelle lassen“, sagt Bachmann. Greift der Mensch in dieser sensiblen Phase ein, unterbreche er die Bindung zwischen Alt- und Jungvogel. Verloren gegangene Jungvögel werden bis zu 24 Stunden lang von ihren Eltern gesucht. Hilfe benötigen befiederte Jungvögel deshalb nur, wenn sie nach zwei bis drei Stunden immer noch nicht von einem Altvogel gefüttert wurden.

 

Droht den flauschigen Vogeljungen Gefahr durch Katzen oder Straßenverkehr, können sie ohne Probleme kurz aufgenommen und in Hörweite am Fundort umgesetzt werden, am besten in eine Astgabel oder einen Busch. Anders als bei etwa Rehkitzen nehmen Vogeleltern ihre Jungen wieder an, wenn diese von einem Menschen berührt wurden, weiß Markus Bachmann. Die einfache Grafik unter www.lbv.de/ratgeber/tier-gefunden/vogel-gefunden/ hilft schnell bei der Entscheidung, ob ein Jungvogel Hilfe braucht. Der LBV stellt klar: Jungvögel sind Wildtiere, ihnen darf nur im echten Notfall geholfen werden. Ansonsten liegt ein Verstoß gegen das Naturschutzgesetz vor.

 

Wer Katzen besitzt, sollte seinen Stubentiger für einige Tage wenigstens morgens und abends im Haus halten. Die halbflüggen Jungvögel sind leichte Beute. Zudem ist ein naturnaher Garten mit abwechslungsreichen, einheimischen Pflanzen, wo Vögel Beeren, Würmer und Insekten finden und sich überall gut verstecken können, immer noch die beste Hilfe, so Bachmann.

 

Sind die jungen Vögel alle ausgeflogen, sind die Vogeleltern noch lange nicht fertig. Nach einer kurzen Verschnaufpause starten viele Vogelarten mit einer zweiten und anschließenden dritten Brut. „Viele Leute glauben, Vögel brüten nur im Frühling. Aber Gartenvögel wie die Kohl- und Blaumeise ziehen bis zu dreimal im Jahr Junge auf und das bis in den August hinein“, sagt Bachmann. Wer einen Nistkasten besitzt, muss diesen nach der ersten Brut nicht säubern. Nur wenn mit absoluter Sicherheit über etwa fünf Tage hinweg kein Vogel ein- und ausfliegt, kann man die Nisthilfe reinigen.